
Mein Weg
Wie vieles, was uns letztlich ausmacht, begann meine Liebe zum geschriebenen Wort schon in meiner Kindheit. Man könnte sagen, es war Liebe auf den ersten Buchstaben. Gehegt und gepflegt wurde diese Liebe insbesondere von meinem Onkel Kiko, der stets dafür sorgte, dass es meiner Seelenschwester und Cousine Ivi und mir niemals - aber auch wirklich niemals - an Lesestoff fehlte.
Natürlich wird nicht jeder Leser automatisch zum Autor. Bei uns war das jedoch der Fall, und so begannen wir bereits als Teenager, in unserer Freundesclique Kurzgeschichten zu schreiben. Inspiriert von so vielen Träumen, so vielen Wegen, die noch zu erkunden waren, und ja, von Boybands und Hormonen.
Du meine Güte - wenn ich mir heute manche dieser Geschichten anschaue, die ich noch immer wie kleine Goldschätze hüte, könnte ich Tränen lachen. Ich hüte diese Geschichten nicht, weil sie literarische Meisterwerke sind, sondern weil jeder Anfang seinen eigenen Zauber trägt und genauso wichtig ist wie der Weg und das Ziel selbst.
Doch das Leben verändert sich, und mit ihm die Prioritäten. Ausbildung, Beruf und schließlich die Gründung einer eigenen Familie rückten für mich in den Mittelpunkt. So widmete ich mich mit ganzem Herzen meinen Kindern und genoss das Mama-Sein in vollen Zügen – und tue es bis heute. Meine Kinder sind das Beste, was mir je passieren konnte, und ich würde keinen Moment davon missen wollen. Dennoch blieb in den ersten Jahren kaum Zeit für eigene Hobbys, sodass das Schreiben nach und nach in den Hintergrund rückte.
Doch je älter meine Kinder wurden, desto lauter meldete sich meine alte Leidenschaft zurück. Es begann wieder in meinen Fingern zu kribbeln, und ich verspürte den unbändigen Drang, Worte aufs Papier zu bringen. Denn Schreiben ist eigensinnig – wenn es einmal ein Teil von dir geworden ist, findet es irgendwann den Weg zurück in dein Leben.
Genauso war es bei mir. Eigentlich wollte ich nur eine Dokumentation zum Thema Hexenverfolgung im Mittelalter schauen, als mich plötzlich die Idee zu “Chronicles of the Beyond” traf und nicht mehr losließ. Was machte ich also? Ich schickte meiner Seelenschwester Ivi eine 23-minütige Sprachnachricht, in der ich ihr meine Idee pitchte. Sie war sofort Feuer und Flamme und „drängte“ mich dazu, diese Geschichte unbedingt zu schreiben. Und genau das tat ich.
Wusste ich damals, was ich da eigentlich tat? Ganz sicher nicht. Hat mich das aufgehalten? Ganz sicher nicht. Und rückblickend war genau das wohl das Beste daran.
Das erste eigene Manuskript zu schreiben und es zu beenden, fühlt sich magisch an. Es ist schwer, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Deshalb kann ich nur jedem raten, sich nicht von Zweifeln oder Unsicherheiten aufhalten zu lassen. Vor allem dann nicht, wenn nicht du das Schreiben findest, sondern das Schreiben dich. Denn glaube mir: Es wird dir keine Ruhe lassen, bis du die Geschichte, die in dir lebt, endlich zu Papier bringst.
Wie viele andere Autorinnen und Autoren versuchte auch ich zunächst mein Glück bei Verlagen. Doch die Antworten waren ernüchternd – sofern überhaupt welche kamen. Manche Anfragen blieben unbeantwortet, andere führten zu unseriösen Angeboten. Wieder andere Absagen begründeten sich damit, dass man das Risiko einer Trilogie nicht eingehen wolle oder aber die Erzählperspektive verändern müsse, damit die Geschichte besser ins Verlagsprogramm passe. Eine andere Rückmeldung war, dass Voodoo als Thema zu heikel oder zu ungewöhnlich sei und man es deshalb lieber nicht anfassen wolle.
Natürlich waren solche Erfahrungen nicht immer leicht. Doch rückblickend bin ich froh, meinen Weg trotzdem weitergegangen zu sein. Denn Geschichten verlieren nicht ihren Wert, nur weil sie nicht sofort in ein Schema passen. Manchmal brauchen sie einfach den Mut, genauso erzählt zu werden, wie sie entstanden sind. Ich glaubte an meine Geschichte und wollte keine Kompromisse eingehen.
Anstatt mich also von den Absagen entmutigen zu lassen, entschied ich mich dazu, tiefer in das Handwerk des Schreibens einzutauchen. Ich bildete mich zur Lektorin weiter und lernte dabei nicht nur mehr über Plotstrukturen, Spannungsaufbau und Stilmittel, sondern auch darüber, wie Geschichten wirklich funktionieren und Leserinnen und Leser emotional erreichen können. Mit jedem neuen Wissen wuchs auch mein Verständnis für meine eigene Geschichte.
Also überarbeitete ich mein Manuskript immer und immer wieder – feilte an Dialogen, strich Szenen, schrieb Passagen neu und lernte dabei, loszulassen und gleichzeitig präziser zu werden. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich wusste: Wenn ich diese Geschichte wirklich erzählen wollte, musste ich den Sprung wagen. Also sprang ich ins kalte Wasser und wurde meine eigene Verlegerin.
Dass ich den Schritt ins Selfpublishing gewagt habe, hat mein Leben auf eine Weise verändert, die ich niemals erwartet hätte. Mein Debütroman „Runes & Wings“ hat inzwischen seinen Weg in über 70 Thalia-Filialen gefunden – etwas, das sich für mich noch immer unwirklich anfühlt. Zudem erreichte meine Kurzgeschichte „Shifting Fate“, die Teil der Spenden-Weihnachtsanthologie „Snowflakes & Sins“ wurde, den dritten Platz bei einem Schreibwettbewerb von Eis.de (hier geht es zur Kurzgeschichte)
Die für mich wichtigste Erkenntnis aus alledem ist: Manchmal warten Träume geduldig auf uns. Selbst, wenn das Leben uns zwischenzeitlich auf andere Wege führt, verlieren sie uns nicht aus den Augen. Und jetzt, wo mich das Schreiben wiedergefunden hat, bin ich diejenige, die es nicht mehr loslassen wird.